Ein Beitrag aus der Sichtweise der Holosofie.
Unser altes Weltbild steht uns im Wege, neue Unternehmer zeigen wie es gehen kann.

Autor: Rainer Flake

Juni 2013
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Unser altes Weltbild steht uns im Wege, neue Unternehmer zeigen wie es gehen kann.

Eine noch recht junge Frau, weltoffen und selbstbewusst,  machte kürzlich in einer Runde eine so treffende Aussage. „Wir arbeiten intern immer mehr nach den Prinzipien der Holokratie und wir machen da sehr gute Erfahrungen mit. Wenn man diese Prinzipien verstärkt für die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft übernehmen würde, käme man schneller und vor allem zu deutlich besseren Entscheidungen“.

Es waren nicht wenige in der Runde, die den Begriff Holokratie nicht zuordnen konnten. Auch ich musste meine Kenntnisse  noch einmal Zuhause auffrischen, denn die Bemerkung dieser Frau, die erfolgreich in einem internationalen Netzwerk junger Unternehmer agiert, ging mir nicht aus dem Kopf.

Klar, der holistische Ansatz geht aus von der Betrachtung des Ganzen. Holokratie ist die Politik ausgehend vom Ganzen. Dieses Ganze findet man auf allen Ebenen (vom Atom bis zum Weltall, vom materiellen bis zum immateriellen). Immer ist das Spiegelbild des Ganzen auf allen Ebenen zurück zu finden. Es geht auch um die Einsicht, dass man auch mit einer noch so tiefen Analyse, nie das Ganze beschreiben kann. Weil das Ganze mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Aus einem Beitrag von Herbert J. Klima von der Akademie für holistische Kultur habe ich mir einige weitere Punkte notiert. Übrigens kann ich Ihnen den gesamten Aufsatz von Klima nur ans Herz legen (http://btq-bundesverband.de/downloads/vortrag-natur-geist-und-holistische-kultur-201.pdf).

Eine Auflistung einiger Punkte aus dem Aufsatz von Klima, die ich mit eigenen Interpretationen versehen habe:

  • Evolution sucht immer nach einem Optimum (gegeben der Umweltbedingungen), sucht immer nach der besten Lösung.
  • Evolution kämpft nicht, will nicht ausschließen, sondern will sich vermehren. Es geht immer darum, Synergien mit dem Umfeld zu erzielen, um das bestmögliche Zusammenwirken.
  • Kooperationen mit dem Umfeld werden gesucht, weil man dadurch gemeinsam stärker wird.
  • Austausch und nicht Ausbeutung sind der Regelfall.
  • Kooperationen erhöhen die Anzahl möglicher Handlungs- und Entwicklungsoptionen.
  • Gemeinsam wird auf der neuen Basis nach der besten Option, der besten Lösung gesucht.
  • Konkurrenz und Wettbewerb leiten hier in die falsche Richtung, weil nicht zielführend und nicht relevant. Kompromisse sind dann auch meist nur das kleinste Übel, sind aber auch meist weit weg von der angestrebten besten Lösung – dem Optimum.
  • Fundamental sind die Beziehungen untereinander und mit dem weiteren System, oder besser gesagt, die Qualität der Beziehungen zwischen den Elementen / Teilnehmern.
  • Aus der Gesamtheit der Beziehungen entsteht das Netzwerk zwischen den so genannten „Holotopen“, also den selbstorganisierende Entitäten. Nicht eine Hierarchie ist bestimmend (sofern überhaupt vorhanden), sondern die Vernetzung ist entscheidend.
  • In den Holotopen findet man immer das Spiegelbild des Ganzen zurück, egal auf welcher Ebene. Die Basisprinzipien und Qualitäten sind auf allen Ebenen immer gleich ausgerichtet. Es geht immer um das „Eine“.
  • Wenn das so ist, dann ist das „Andere“, immer auch das „Eigene“ (das Blatt, der Ast eines Baumes, in einem Wald voler Bäume…), weil Bestandteil des Ganzen und ist damit genau so wichtig. Das Andere wird, wenn man das erkannt hat, dann auch als das Eigene wahrgenommen.
  • Nicht Egoismus, sondern Vernunft wird dann der Maßstab.
  • Die Vernunft (Herz, Liebe) eint, der Verstand dagegen (Hirn, Intellekt) neigt eher zum teilen. Dadurch entsteh die Sehnsucht nach Ganzheit, zum Ganzen.
  • Dadurch einsteht ein ethischer Anspruch auf Sorge um das Andere, um den sozialen und den natürliche Lebensraum.
     

Was man von diesem Leitbild lernen kann?

Wir leben in einer Welt der Kompromisse. Standpunkte werden ausgewechselt und dann trifft man sich irgendwie in der Mitte. „Die Wahrheit liegt immer in der Mitte“, so versteifen sich viele so erfahrenen Manager heute immer noch. Aber, ist das wohl wirklich so? Erhalten wir in den meisten Fällen nicht einfach nur Wischi-Waschi – Entscheidungen, nichts Halbes und auch nichts Ganzes? Ganz sicher wird nicht die beste, oder optimale Lösung oder Entscheidung erzielt, bzw. getroffen. Die Liste solcher Entscheidungen auf politischer, aber eben auch auf unternehmerischer Ebene ist endlos. Nehmen Sie nur Beispiele wie die Euro-Krise, oder die Energiewende.

Auch leben wir in einer Welt des Wettbewerbs und der Konkurrenz, so denken wir. Unser Paradigma heißt, der Markt erzielt immer die besten Leistungen zu den günstigsten Preisen. Also machen alle mit und unser neoliberales Denken fordert uns immer wieder auf, unsere Anstrengungen weiter zu erhöhen. Gleichzeitig fahren wir mit steigender Geschwindigkeit auf die Klippe zu. Tagtäglich können wir erfahren, dass dieses Denken uns zu riesigen Problemen geführt hat (Klima, Ressourcenverschwendung, Umweltproblematik, …). Kurzfristiger Entscheidungshorizont, ausgerichtet auf den individuellen Vorteil. Ja, wenn der Markt doch bloß auch die externen Effekte wie Hunger, schlechte Arbeitsbedingungen, CO2-Ausstoss etc. mitnehmen würde, dann wäre es vielleicht noch zu tun. Macht er aber nicht und er wird es auch zukünftig nicht tun. Das werden die, die die größten Vorteile aus diesem fatalen System ziehen, noch lange zu verhindern wissen.

Was wir also brauchen ist in der Tat ein anderer Ansatz, ein neues Denken, ein neues Paradigma. Dabei können uns die holistischen Prinzipien ohne Zweifel weiterhelfen und uns in eine andere Richtung steuern, bzw. aus der Identifikation aus dem Ganzen heraus lenken und inspirieren lassen.

Dazu müssen wir uns aber völlig neu aufstellen. Das ist keine Frage der Moral oder Ethik mehr, es wir zunehmend Realität. Die Generation der neuen Netzwerk-Unternehmer macht es uns vor, wie es gehen kann. Geschäftsmodelle die nicht an der Oberfläche, sondern im Kern nachhaltig angelegt sind. Unternehmen, die multiple Mehrwerte leisten. Mehrwerte nicht nur für Kunden, sondern auch für andere Unternehmen, für Mitarbeiter, für die Gesellschaft und auch für die natürliche Umwelt. Unternehmen, die gemeinsam mit anderen Unternehmen kooperieren und dadurch zu gänzlich anderen Lösungen gelangen. Unternehmen, die den Mitarbeitern den Raum zur Entwicklung ihrer Talente geben und Kreativität und Inspiration entfesseln. Solche die Bottom-Up arbeiten und nicht Top-Down.

Es gibt die guten Beispiele und es gibt für alles neue Lösungen. Das einzige was man braucht, ist die Einsicht und die Bereitschaft, diesen Prozess von Wandel und Transformation eingehen zu wollen.

Es kann viel einfacher sein, ein Start-Up Unternehmen auf den Weg zu bringen als eine bestehendes Unternehmen zu verändern. Jede Veränderung ist schwierig und ruft Widerstände auf. Deshalb ist die Orientierung  auf eine neue Vision, eine neue Strategie und ein neues Geschäftsmodell so wichtig – verbunden an Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit im Handeln. Gemeinschaftlich – das Andere als das Eigene annehmen. Das kann nur von unten nach oben, von klein nach groß, von kleinster Entität / Holotop, bis zur höchsten Ebene.

Als Teil der Evolution und damit des Ganzen.