Jetzt den Wandel angehen und die Zukunft sichern.

(Whitepaper: Rainer Flake, Juli 2013)

Man kann bekannter weise Probleme nicht mit den selben Gedankengebäuden lösen,  wie mit denen, die zur Entstehung dieser Probleme geführt haben. Umdenken ist also angesagt.

Obwohl inzwischen jeder diesen auf Einstein zurückführenden Einwurf kennt, hindert uns das nicht daran, diese Weisheit regelmäßig zu ignorieren. Nicht nur in den Unternehmen wenden wir täglich mehr als 99 % unserer Anstrengungen auf die Verbesserung des Bestehenden. Schliesslich muss es doch weitergehen und müssen wir doch immer weiter wachsen. Oder aber wir reduzieren die Kosten, um unterm Strich unser gewünschtes Betriebsergebniss zu erreichen. Das Ziel am Markt ist klar: laufend probieren wir, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. 

Besser werden heißt dann meist, vor allem effizienter zu werden. Leider führt das im Ergebnis letztlich nur zu einer Fortsetzung unseres Reparaturbetriebs. Jedem festgestelltem Defizit folgt einer Aktion zur Behebung genau dieses Mangels. Strukturelle Fragestellungen werden dabei nicht, oder nur selten angepackt. Das Bedenken von besseren Lösungen beschränkt sich innerhalb der alten Bahnen. Verbesserungen, statt echter und auch nachhaltiger / zukunftsgerichteter Innnovation.

Wir sind fixiert auf die Erzielung finanzieller Ergebnisse. Wir nennen das die betriebswirtschaftliche Wertschöpfung und die muss stimmen. Keine Frage, das ist so. Aber wir sind nicht allein auf dieser Welt. Denn die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse sind – wie wir inzwischen ja alle wissen (können) und trotzdem noch immer nicht danach handeln- nur ein Teil der Ergebnisse unseres Handelns. Der weitaus größte Teil einer solchen "Gesamt-Ergebnisrechnung" wird ausgeblendet. Damit meine ich ausdrücklich die Effekte auf das natürliche und soziale Umfeld. Externalisierung von Kosten nennt man das. Ein Begriff, der schon in den Siebzigern an deutschen Hochschulen gelehrt wurde, wie ich mich gut erinnern kann. Doch gelernt und verinnerlicht im Tun haben wir es in der großen Mehrheit bis heute nur beschränkt.

Kein Zweifel: kein Unternehmen kann dauerhaft auf Gewinn oder positiven Cash Flow  verzichten -oder ohne ausreichende finanzielle Rendite überleben. Aber kein Unternehmen kann auch dauerhaft auf Kosten anderer überleben. Zukunftssicherung und damit auch Nachhaltigkeit bedeutet immer auch die Integration weiterer Werte, als nur der finanziellen / ökonomischen.

Alle die weiter schauen wollen als die eigene Nase lang ist, sehen was in dieser Welt passiert. Viele Rohstoffe werden, oder sind bereits beängstigend knapp, die Energiefrage ist ungelöst, das Klima gerät aus den Fugen, die Umweltbelastung durch Abfälle und Massenkonsum hat ungekannte Formen angenommen. Auch die soziale Balance zwischen Gebern und Nehmern, zwischen Besitzern und Besitzlosen, ist lokal wie global schiefer und ungerechter wie nie zu vor.

Also: „Augen zu und durch – mich wird’s schon nicht so hart treffen"?

Die neue Perspektive ist bereits da. Neue Lösungen sind möglich.

Unzählbare saubere Analysen zu diesen Themen und entsprechende Apelle liegen inzwischen vor. Von klugen Denkern, Analytikern, von Menschen die fühlen das eine Zeitenwende ansteht. Doch die große Wende steht immer noch aus. Der kritische Punkt - der Kantelmoment- ist noch nicht erreicht.

Obwohl, bei genauerem Hinsehen sieht man immer deutlicher etwas Neues entstehen. So gibt es eine Bewegung, die von der Basis her wächst, die vor allem über und durch Bürgerbeteiligung stattfindet. Es sind die kleinen lokalen Initiativen rund um die Themen gemeinsame Energiegewinnung, Versorgung von Kindern und Alten aus der Nachbarschaft heraus, der lokaler(Lebensmittel-) Handel, das Teilen von Besitz und Eigentum, etc.. Fürsorge, Solidarität, Gemeinsamkeit und ein neues Miteinander ist im entstehen.

Aber auch auf der geschäftlichen Seite entstehen neue Geschäftsmodelle mit  ganzheitlich ausgerichteten (nachhaltigen) Strategien, die sich durch eine Zusammenarbeit in Netzwerken kennzeichen, durch das Teilen - statt Besitzen von Ressourcen, einem offenen Zugang zum Wissen, dem Finden von neuen Verbindungen und Beziehungen, der Orientierung auf integrale Lösungen bei multipler Wertschöpfung (ökonomisch, ökologisch, sozial). Das alles mit einer langfristig  ausgerichteten Perspektive, Selbststeuerung und gemeinschaftlich gebunden in einem neuen Werte-Konsens: Lebensqualität statt Materialismus, Gemeinschaftlichkeit statt Individualismus.

Die Frage ist natürlich, ob das alles schon ausreichend sein wird, um das bestehende System dauerhaft zu verändern. Natürlich nicht, denn die Gegenkräfte sind enorm. Das neo-liberale Gedankengut „Jeder ist seines Glückes Schmied, wer sich nur anstrengt kann es schaffen, Eigennutz vor Solidarität, Preis vor Wert, Statusorientierung über Besitz, Identifikation über Konsum, Ausschluss von Zugang zu Märkten durch die Macht habenden, etc.“, hat sich über viele Jahrzehnte aufgebaut und zeigt sich noch immer standfest. Macht und finanzielle Interessen werden mit allen Mitteln verteidigt. Aller finanzieller Krisen und Datenmissbräuche zum Trotz.

Doch der Preis dies alles auch weiterhin instand zu halten nimmt ebenfalls weiter zu. Nicht mehr zu übersehen sind auch nationale gesellschaftliche Probleme wie die Zunahme von (chronischen) Krankheiten mit ausufernden Kosten, sozialen Brennpunkten oder die Zunahme der Verschuldung öffentlicher Haushalte.  Sowie auch dem parallelen Verlust von Vertrauen in und Glaubwürdigkeit von politischen und gesellschaftlichen Instanzen und Autoritäten.

Auch auf unternehmerischer Seite wird viel Energie in die Aufrechterhaltung des Status Quo gesteckt, um ihn so lange wie möglich fortzuschreiben. Das ist keine Frage böser Interesen, sondern ist motiviert aus einer Situation der Unsicherheit. Unsicherheit über die Zukunft und verbunden mit der Angst vor Macht- und Kontrollverlust. Zudem spielen natürlich auch handfeste ökonomische Interessen eine Rolle. Schließlich ist nicht selten das bestehende Geschäftsmodell auf das heutige Umfeld optimal ausgerichtet.  Viel Geld ist das Funktionieren des bestehenden bereits getätigt und wartet auf Amortisation.

Und doch sind es gerade die heutigen Unternehmer der Klein-/ Mittel und Großbetriebe mit ihren Aktivitäten, die in eigenem Interesse die Zeichen der Zeit erkennen und initiieren müssen. Oberflächliches Kratzen an Nachhaltigkeitsthemen (wie die eigene Solar-Analge auf dem Dach, oder das Elektroauto für das Management) wird nicht ausreichen. Es geht darum, den Kern der Unternehmenstätigkeit anzugehen, das gesamte Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu legen und eine ganzheitliche / nachhaltige Strategie zu formulieren und umzusetzen.

 

Lassen wir es zum Kollaps kommen -oder sind wir zum Wandel fähig?

Das Haltbarkeitsdatum des dominierenden Wirtschaftssystems scheint erreicht zu sein. Um das zu erkennen braucht man weder Alt-Kommunist, noch grüner Öko-Phantast zu sein. Unternehmer werden zukünftig eine Schlüsselrolle spielen müssen,  wenn es um den so dringend erforderlichen Wandel geht. Nicht (nur) aus ethischen oder moralischen Ansprüchen, sondern ganz einfach deshalb,weil es auch schon aus Eigennutz und Selbsterhaltung darum geht, das eigene Unternehmen zukunftssicher zu machen.

Aber wie gestaltet man diesen Wandel, diesen Übergang nach neuen Geschäftsmodellen und ganzheitlichen Strategien? Wie kann man das Neue aufbauen, ohne gleich alles andere umzuschmeißen und dabei abzustürzen, bevor man das Ziel erreicht hat?

Ich denke, wir suchen alle nach Antworten auf solche Fragen und nach anderen Lösungsoptionen. Dabei können wir so viel voneinander lernen. De besten Lösungen liefert immer noch die Praxis und ein klares neues Denken auf Basis von Gemeinsamkeit, Vertrauen, Offenheit und Teilhabe.

Das neue Denken ist damit auch ein Paradigma-Wechsel, vom ICH zum WIR. Eine Aufgabe, die anspruchsvoll ist und die die höchsten Qualitäten beansprucht. Echte Innovation und Wandel sind möglich. Es gibt schon so viele gute Ansätze. Lassen Sie es uns gemeinsam tun!

Verfasser: Rainer Flake (valueweneed.de)

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